Wie Sie sich durch Bilder beim Gedächtnistraining mehr merken können

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Mit dem Alter lässt das Gedächtnis der meisten Menschen nach. Es entstehen Verschiebungen zwischen dem Kurzzeit- und dem Langzeitgedächtnis. Man erinnert zwar alles Mögliche, das vor 50 Jahren geschah, als wäre es gestern gewesen. Es fallen alten Menschen sogar jahrelang verschüttete Dinge wieder ein. Hingegen vergessen sie binnen zehn Minuten nach dem Ablegen der Brille, wo sie diese hingelegt hatten. Trotz hektischer Suche an den naheliegenden Plätzen braucht es manchmal Stunden, bis ein vergesslicher Mensch die Sehhilfe zufällig an absurder Stelle liegen sieht. Es besteht oft keine Erinnerung daran, dass man die Brille an diesem Platz abgelegt hat.

Dieses „Loch im Gedächtnis“ kann beängstigend sein. Dafür gibt es aber eine Erklärung: Das Gehirn älterer Menschen muss sich nicht mehr so stark auf eine geistige Arbeit konzentrieren. Es wird altersbedingt zu wenig in Richtung auf Merk- und Denkleistungen angeregt. Nach und nach stellt das Gehirn alternder Menschen seinen Betrieb auf eine Art „Standby-Modus“ um. Dabei gehen mit der Zeit allerlei abgespeicherte Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis verloren. Zudem werden neue Informationen ohne Training nicht mehr verinnerlicht. Vieles ist Routine und wird wie automatisch ausgeführt.

Bewiesen ist, dass abgespeicherte Informationen aus Bildern beim Gedächtnistraining bessere Ergebnisse erzielen, als auswendig gelernte Zahlenreihen oder gehörte Worte. Das bedeutet im Klartext: Könnte jemand sich durch eine im Gehirn abgespeicherte visuelle Erinnerung gemerkt haben, wo er die verlegte Brille zuletzt getragen hatte, dann würde er sie durch dieses Bild schneller wiederfinden.

Bilder beim Gedächtnistraining

Wenn Bilder beim Gedächtnistraining eingesetzt werden, wird das sogenannte Bilderdenken angesprochen und trainiert. Ein Bild enthält zahlreiche Informationen. Diese prägen sich in der Gesamtheit leichter an als ein Text oder eine Erzählung, die denselben Inhalt beschreiben. Visuell dargestellte Zusammenhänge prägen sich dem Gehirn leichter ein. Dieselben Informationen als Text lassen sich deutlich schwerer erinnern.

Solche Erkenntnisse kann man ganz gezielt im Gedächtnistraining nutzen. Informationen jeder Art können beim Gedächtnistraining in Bilder im Kopf umgesetzt und so leichter behalten werden. Wichtig ist aber, dass das Bild einen Bezug zur eigenen Person und dem zu merkenden Inhalt hat. Genau das ist Bilderdenken: das Denken und Erinnern von Fakten durch Bilder. Wenn jemand es beherrscht, den Inhalt einer Erzählung bildhaft vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, kann er sich die Geschichte leichter merken.

Viele hochsensible Menschen sind von Natur aus Bilderdenker. Sie lesen ein Buch und visualisieren die handelnden Personen als Bild im Kopf. Das passiert bei solchen Menschen automatisch. Sie sehen Personen und Handlungen wie einen Film vor dem inneren Auge. Das Bilderdenken kann aber jeder Mensch trainieren. Es bereichert die Merkfähigkeit, Bilder spielerisch ins Gedächtnistraining zu integrieren.

Mit gezielten Übungen zum Bilderdenken

Um das Bilderdenken und die Merkfähigkeit zu trainieren, können Trainer oder Angehörige alter Menschen auf verschiedene Weise vorgehen. Die Übenden können einen beliebigen Gegenstand längere Zeit betrachten. Wichtig ist, dass sie sich dabei möglichst viele Details einprägen. Danach schließen die Übenden die Augen. Sie rufen sich das gespeicherte Bild ab. Selbst Zahlen können alte Menschen sich mit dieser Methode besser merken. Telefonnummern oder PINs werden eselsbrückenartig in eine kleine Geschichte eingebunden. Diese kann sich jeder leicht merken.

Wichtig ist, der betreffenden Zahl ein starkes Bild oder eine erinnernswerte Geschichte zuzuordnen. Die Null könnte durch einen Ball gemerkt werden. Eine vierstellige PIN könnte entsprechend in einem Merksatz bzw. einer individuellen Eselsbrücke codiert werden. Die komplette Zahlenreihe wird dann in einem Bild abgespeichert. Doch warum fällt das Merken eines Bildes vielen menschen leichter, als sich die Zahlenfolge selbst zu merken?

Zum Beispiel, weil in einer kurzen Geschichte oder einem Bild kein Zahlendreher vorkommt. Außerdem wird die kreative rechte Hirnhälfte in das Gedächtnistraining eingebunden. Bekannt ist weiterhin, dass das menschliche Hirn effektiver arbeitet, wenn es eine Verknüpfung herstellen kann. Neues und altes Wissen werden im Gehirn ständig miteinander verknüpft. Das Gehirn stellt automatisch Bezüge zu bereits bekannten Informationen her. Diese Eigenschaft des Gehirns kann aber auch aktiv trainiert werden.

Dinge, die nicht mit anderen Wissensinhalten verknüpft wurden, geraten leicht ins Abseits. Sie werden nicht mehr erinnert. Eine Verknüpfung kann mit bestimmten Lerninhalten, aber auch mit vertrauten Gerüchen, bestimmten Situationen, einem Menschen oder lebhaften Erinnerungen verbunden sein. Um etwas zu erinnern, muss es also verknüpft werden. Zwei Begriffe können durch eine Geschichte oder ein Bild miteinander in Bezug gesetzt werden. Dadurch merken sie sich leichter.

Das gilt insbesondere dann, wenn die Geschichte verrückt oder lustig ist. Kann der Übende sich diese Verknüpfung als Bild im Kopf abspeichern, verbessert das die Gedächtnisleistung. Verknüpfte Bilder sind also ein optimaler Weg, um das Gedächtnistraining effektiver zu gestalten.

Unterhaltsames Gedächtnistraining mit Bildern

Gedächtnistraining soll nicht anstrengen. Es soll vergessliche Menschen nicht überfordern, sondern Spaß machen. Die Übungen dürfen vergesslich werdende Menschen schon gar nicht frustrieren. Vielmehr ist es wichtig, sie über die Übungen erfolgreich anzusprechen. Jeder Mensch hat seine speziellen Neigungen und Interessen. Bilder, die mit individuellen Interessen und Neigungen verknüpft werden, sind besonders effektiv. Sie haben einen direkten Bezug zum Leben und der Person, die ihr Gedächtnis übt. Daher sind jene Bilder beim Gedächtnistraining besonders positiv besetzt, die etwas mit dem Übenden zu tun haben.

Das spielerische Betrachten von verschiedenen Bildern kann beim Gedächtnistraining eine Übung einleiten. Die alten Menschen werden gebeten, sich möglichst viele Bilder zu merken. Dann sollen sie die Augen schließen. Während dieser Zeit nehmen Helfer einige der Bilder weg und ersetzen diese durch neue. Nun sollen die Übenden herausfinden, welche Bilder vertraut erscheinen und welche neu sind. Solche Spiele haben einen Unterhaltungswert, zumal oft lebhafte Erinnerungen zu bestimmten Bildern wach werden. Jeder Teilnehmer darf Erinnerungen zu einem der Bilder mit den anderen teilen. Auch das frischt das Gedächtnis auf.

Das Gedächtnistraining nach Roland Geisselhart

Einer, der Bilder beim Gedächtnistraining ganz gezielt man Methode einsetzte, ist Roland Geisselhart. Geisselhart zufolge sprechen Bilder die Fantasie an. Er erkannte: Wer sich Dinge bildhaft merken kann, vergisst weniger schnell. Durch spielerisches Bilderdenken kann die Fähigkeit gefördert werden, sich selbst komplexe Zusammenhänge und viele Details einzuprägen. Sämtliche Informationen werden bildhaft erfasst und im Kopf abgespeichert. Bilder begünstigen zudem das Entstehen von Verknüpfungen.

Die Methode von Roland Geisselhart trainiert das Gedächtnis mit einem festen System. Bei diesem werden bestimmte Bilder integriert. Die eingesetzten Bilder werden quasi zum Informationsregister. Sie ermöglichen es den Übenden, Bilder in bestimmten geistigen Schubladen abzuspeichern und später zu erinnern. Als weiteres Hilfsmittel werden lustige oder fantasievolle Eselsbrücken damit verknüpft. Wenn das abgespeicherte Bild gesucht wird, wird dabei die rechte Gehirnhälfte aktiviert. Die Merkfähigkeit alter oder vergesslicher Menschen kann mit Geisselharts Methode um ein Vielfaches verbessert werden.

Das Interessante daran ist, dass durch Bilder beim Gedächtnistraining sowohl Namen und Gesichter, als auch Fakten, Zahlen oder Details leichter eingeprägt werden. Wichtig ist beim Gedächtnistraining mit Bildern, dass die Übungen regelmäßig stattfinden. Auch der Geist kann – ähnlich wie die Muskulatur – durch häufiges Training zu Bestleistungen kommen. Wird das Gehirn hingegen nicht ausreichend oft gefordert, ist der Trainingserfolg spürbar geringer. Das visuelle Denken zu trainieren, macht ehemalige Wortdenker Geisselhart zufolge zu Bilddenkern.

Die bei Erwachsenen vorwiegend angesprochenen Denkbahnen sind meist auf Vernunft und Logik ausgerichtet. Die schöpferische Hirnhälfte wird dadurch kaum angesprochen. Sie verkümmert zunehmend. Das aber lässt sich mit entsprechendem Training ändern.

Neue Impulse als Sparringspartner für den Geist

Mit der Nutzung von Bildern werden Denkbahnen aktiviert, die kreativ und schöpferisch sind. Beide Hirnhälften sind bei solchen Übungen aktiv. Das verbessert die geistigen Kapazitäten bei regelmäßigem Trainieren erheblich.

Roland Geisselhart stellte fest, dass altbekannte Bilder schlechter abgespeichert werden als Neues, Absurdes oder Lustiges. Das Gehirn bewertet solche Bilder als interessant und speichert sie ab. Die gewohnheitsmäßige Verhaftung an das altbekannte logische Denkschema kann durch kreative Übungen mit Bildern aufgelöst werden.

Man kann sich das so vorstellen, dass die geistige „Festplatte“ im Laufe eines Lebens einen Wust von Informationen speichern musste. Neue Fakten und Zahlen versickern oft in der schieren Menge an abgespeicherten Informationen. Das Gehirn erkennt sie nicht mehr als wichtiger als andere Informationen. Neue Fakten können ohne einen Bezug zu einem Bild oder einer Geschichte daher oft nicht abgerufen werden.

Das kreative und bildhafte Erinnerungsvermögen, das Kinder bis zum Erlernen logischer Denkweisen im Schlaf beherrschen, kann man auch als alternder Mensch nutzen. Es bedarf aber der täglichen Übung. So gesehen, ist es richtig, das Gedächtnistraining mit etwas sportlichem Ehrgeiz anzugehen. Der Spaß sollte beim Gedächtnistraining aber nie zu kurz kommen. Bei erkennbaren Ermüdungserscheinungen sollten die Bilder weggepackt werden.

Jeder alternde Mensch kann auch ohne die Gruppe Bilder beim Gedächtnistraining einsetzen. Ob es den Einkaufszettel betrifft oder eine Telefonnummer: als Bild abgespeichert werden alle Informationen zu Übungseinheiten.

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